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Im Hauptquartier der COMELEC beginnt die Auswertung der Wahlergebnisse. Das hochmoderne Rechenzentrum überträgt die Zwischenergebnisse auf großen Anzeigetafeln, die kontrollierte Presse überträgt diese Ergebnisse ins Fernsehen und stündlich erscheinende Extrablätter, die internationalen Beobachterteams erwarten voller Spannung die sich abzeichnenden Tendenzen.

Quickcount
Quickcount
foto: joey manalang

Auch die NAMFREL beginnt mit ihrer "Operation Quickcount", ihre Zwischenergebnisse werden stündlich von Freiwilligen auf große Plakate gemalt.

Innerhalb kurzer Zeit unterscheiden sich die Zwischenergebnisse deutlich - bei der COMELEC liegt die Regierungspartei vorn, bei NAMFREL führt die Oppositionspartei.

Präsident Marcos hält eine Pressekonferenz und erklärt, "die NAMFREL sei parteiisch, aus dem Ausland finanziert und nur darauf aus, ihn um seinen Wahlsieg zu betrügen". Präsident Reagan meldet sich ebenfalls zu Wort, spielt die "angeblichen Wahlbetrügereien" herunter und zeigt offene Unterstützung für das Marcos-Regime.

Am nächsten Tag, dem 9. Februar, kommt es zum Eklat. 30 Programmierer verlassen unter Protest das COMELEC-Hauptquartier und werden in einem Kloster in Sicherheit gebracht. Sie beschreiben die Verfälschung der Wahlergebnisse auf der offiziellen Anzeigetafel, die nicht mit ihren eigenen Ausdrucken übereinstimmen.

Unbeirrt verfolgt die COMELEC ihren Kurs weiter, die Volksversammlung bereitet die Bestätigung des Präsidenten als Wahlsieger vor. Die Stimmung im Land ist niedergedrückt, kaum jemand glaubt noch daran, daß die Diktatur durch eine ordentliche Wahl beendet werden kann.

Doch am 11. Februar geschieht ein weiterer entsetzlicher Mord, der sofort alle Flammen des Glaubens und des Widerstandes erneut auflodern läßt. Ein weiterer prominenter Oppositionspolitiker (Evilio Javier, Gouverneur der Provinz Antique und enger Freund von Ninoy Aquino) wird von maskierten Männern direkt vor dem Rathaus mit 24 Schüssen regelrecht hingerichtet. Sein Leichnam wird nach Manila gebracht und sein Begräbnis erreicht ähnliche Proportionen wie das von Ninoy Aquino zwei Jahre zuvor.

Demonstration
Demonstration
foto: joey manalang

Am 13. Februar veröffentlicht die katholische Bischofskonferenz ein Papier, das die Wahl als "betrügerisch" verdammt.
Am 15. Februar erklärt die Volksversammlung Ferdinand E. Marcos zum rechtmäßigen Wahlsieger und bestätigt ihn als Präsidenten für eine weitere Amtszeit von sechs Jahren. Die Opposition verläßt die Versammlung unter Protest. Einen Tag später ruft Corazon Aquino vor mehr als einer Million Demonstranten zum zivilen Ungehorsam auf.
Kurz darauf, am 19. Februar, ringt sich auch der US-Senat zu der Ansicht durch, daß die Wahlen durch großangelegten Betrug "gewonnen" wurden und beschließt eine Kürzung der Militärhife an die Philippinen, solange Marcos an der Macht bleibt.

Am 22. Februar 1986 um 18:45 wendet sich das Blatt mit einer historischen Pressekonferenz.

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